„Wir werden nach der Krise besser sein als je zuvor“

Ausgründungen, Neugründungen, Startup-Investitionen, erfolgreiche neue Produkte – kaum eine Agentur ähnlicher Größenordnung hat mitten in der Krise so viele neue Initiativen und Projekte an den Start gebracht, wie proteco aus Augsburg. Markus Schaumlöffel, Geschäftsführer der Agentur, im ausführlichen Interview über seine Strategie, was Doppelspitzen mit gutem Schlaf und Krisen mit Radsport zu tun haben und warum ihm sein Job momentan so viel Spaß macht, wie seit Langem nicht mehr.

 

Redaktion: Markus, Ihr habt in den letzten sechs Monaten ja ganz schön Gas gegeben. Wie geht es Dir – kaputt?

Markus: Mir geht es gut, Danke. Vielleicht etwas zu wenig Sport momentan, aber das ändert sich auch wieder.

Weil Online-Messen das im B2B nicht schaffen: Mit der 3D Video-Sales-Lounge bringt proteco Unternehmen endlich wieder in Kontakt mit wichtigen Kunden – weltweit, persönlich und in 3D

Redaktion: Erzähl mal – wie erlebt Ihr die Coronazeit?

Markus: Mit Krisen kamen wir eigentlich schon immer gut klar. Als Deutschland in den 70ern mit der Ölkrise kämpfte, hat Klaus Weinberger proteco gegründet. Als ich zur Firma stieß, fielen nur Tage später die Türme des World Trade Centers. Dann, als ich Geschäftsführer wurde, begann kurz darauf die Finanzkrise. Jedes Mal waren wir danach ein Stück weit eine andere Firma und erfolgreicher. Das wird auch jetzt wieder so sein.

Redaktion: Woran liegt das? Habt Ihr aktuell nicht mit der Situation zu kämpfen?

Markus: Doch, natürlich. Auch wir haben Kurzarbeit, etwa in unserer Messe-Unit. Aber ich glaube, wir ticken grundsätzlich bereits recht disruptiv, hinterfragen Bestehendes, passen uns an, reagieren unglaublich rasch auf Entwicklungen – auch ohne Krise. Da trifft einen das vielleicht nicht mehr ganz so hart. Zudem haben wir einen echten Vorteil: Wir sind in der Geschäftsführung zu zweit. Klaus kümmert sich mit all seiner Erfahrung um die Finanzen und den inneren Betrieb, ich sorge parallel mit meinem Team dafür, dass wir strategisch richtig aufgestellt sind und unser hervorragendes Kundenpotenzial bestmöglich ausnutzen. Ich glaube im Wissen, dass der jeweils andere bestmöglich seinen Job macht, können wir beide ziemlich ruhig schlafen. In meinen Augen ein Glücksfall.

Wo liegt Ihr Booster für Morgen? Die proteco-Ausgründung MACHER FÜR MORGEN berät Mittelständler bei der strategischen Ausrichtung

Redaktion: Ein Standbein Eurer Agentur sind modulare und mobile Messeaufbauten in ganz Europa. Dort geht ja aktuell null Komma null. Wie lange kann ein Haus wie proteco die momentane Lage noch durchstehen?

Markus: Wir haben auch dann noch keine Probleme, wenn die Event-Branche erst im Jahr 2022 wieder so richtig anspringt. Das liegt auch daran, dass wir seit Jahren viel mehr sind, als Event & Co. Unsere Unit für Industriekampagnen EXPEDITION MARKE beispielsweise wächst – auch personell. Darüber hinaus haben wir im Frühjahr sofort versucht, bestmöglich auf die Lage zu reagieren und Hygienestelen entwickelt, die bis heute bereits das Umsatzvolumen eines normalen Großkunden erwirtschaftet haben. Gleichzeitig haben wir mit unseren Kunden eine strategische Lösung konzipiert, die es z. B. Vertrieblern ermöglicht, Videokonferenzen mithilfe von 3D und somit in einem völlig anderen Kontext umzusetzen – als echte und viel persönlichere Alternative zu Onlinemessen, die in meinen Augen nicht halten, was sie versprechen. On top kommen weitere Umsatzpotenziale und das stärker werdende Gefühl, dass die Messewelt auf eine Struktur zusteuert, die exakt unserem Zuschnitt entspricht.

Handhygiene in schön: Die etwas andere Hygienestele, eine proteco-Eigenentwicklung, war nur wenige Wochen nach Start der Pandemie am Markt

Redaktion: Wie meinst Du das?

Markus: Durch die Entwicklungen der letzten Monate wird sich die uns bekannte Event- und Messelandschaft wandeln. Eher weg von wenigen Megaplattformen und hin zu vielen noch zielgruppenspezifischeren, dezentralen und damit kleineren Formaten. Dazu kommt, dass manche Häuser vor dem aktuellen Hintergrund schon jetzt auf Outdoor- als Ergänzung zu Indoorauftritten schielen. Im Outdoor-Event-Bereich – Roadshows, Promotions, etc. – liegen ja unsere Wurzeln.

Redaktion: Das heißt, dass für die Unternehmen die Anzahl und Parallelität der Auftritte und damit die Komplexität und der Koordinationsaufwand deutlich ansteigen werden?

Markus: Genau, die Event- und Messewelt wird viel kleinteiliger und damit dynamischer werden. Flexibilität und Reaktionsschnelligkeit werden noch wichtiger. Denn manche Industriekunden können vielleicht mal auf die BAU oder die IAA verzichten, aber aus Kundenbindungsgründen nicht auf die zig kleinen Veranstaltungen, die teils gleichzeitig stattfinden und direkt von ihren eigenen Kunden ausgerichtet werden. Und das ist ja exakt das Anforderungsprofil, was wir seit bald 25 Jahren mit unserem Baukastenansatz erfüllen. Unser Messebereich ist der absolute Spezialist für viele, kleine parallele aber hochwertige und flexible Auftritte zu insgesamt darstellbaren Kosten. Weil wir die damit verbundenen Prozesse im Griff haben. Outdoor wie indoor.

Farbe im Fokus: Color Jack, das Startupinvest von proteco

Redaktion: Erzähl uns noch kurz von Eurer Ausgründung MACHER FÜR MORGEN, Deinem Herzensprojekt, und von Eurem kürzlich getätigten Invest in das Startup Color Jack.

Markus: Was soll ich sagen? Ich bin einfach nur glücklich, dass es uns mit unserem Partner Jürgen Schmachtel gelungen ist, MACHER FÜR MORGEN von einer reinen Medienplattform zu einem eigenen Beratungsunternehmen zu machen, das Mittelständlern dabei hilft ihren Platz in der Welt von Morgen zu finden. An die Chance bei Color Jack einzusteigen kamen wir dann über MACHER FÜR MORGEN. Klaus und mir hat sofort der Ansatz gefallen, durch perfektes Farbmatching beim Onlineshopping die farblich bedingten Retouren und damit den Umweltverbrauch zu reduzieren. Ich glaube nicht, dass das die letzte Investition dieser Art war.

Redaktion: Du wirkst tiefenentspannt. Dir macht das gerade alles richtig Spaß, oder? Woran liegt das – ich meine, woher kommt Deine ganze Energie?

Markus (lacht): Ja, ich habe so viel Spaß am Job wie lange nicht mehr, um ehrlich zu sein. Ich liebe Situationen, in denen man wirklich etwas bewegen kann. Und wenn es ab und an ganz hart kommt, denke ich an meine aktive Zeit als Radsportler zurück. Dort hieß es immer „Wenn es regnet, musst Du einfach schneller fahren, sonst wird es Dir kalt.“ Gerade ist draußen ja irgendwie Dauerregen, also drücken wir lieber mal kräftig auf die Tube.

Kommunikation abseits der Normalroute: Die proteco-Unit EXPEDITION MARKE ist auf emotionale Industriekampagnen spezialisiert (Fotograf: Philipp Reiter)

Redaktion: …das heißt, Ihr habt noch einiges an Neuem in der Pipeline – etwa den weiteren Ausbau von EXPEDITION MARKE und den Start Eurer oben erwähnten Messeabteilung als eigene Spezial-Unit für mobile Markenwelten?

Markus: Pssst, nicht spoilern. Aber, ja Du hast Recht: Wir werden in diesem Bereich sehr bald noch viel spitzer auf unsere jeweiligen Zielgruppen zugehen, als wir das bislang getan haben. Aber lass uns da mal zu Beginn des kommenden Jahres wieder miteinander sprechen.

Redaktion: Gern. Danke Dir für das Gespräch.

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